Das Älteste Breslau

Wir beginnen die Stadtbesichtigung vor dem Denkmal für Papst Johannes XXIII.,
das hier 1968 aufgestellt wurde und zu den Wahrzeichen der Stadt gehört. Papst Johannes XXIII. erkannte die Ordnung nach dem 2. Weltkrieg – die polnische Kirchenverwaltung im West- und Nordpolen – an.

Die Strecke führt uns an der alten Burgkapelle St. Martini vorbei, derer Anfänge ins 12. Jh. zurück reichen. Sie stand in engster Nachbarschaft der Burg der Breslauer Fürsten und wurde mehrmals umgebaut. In den 20. Jahren des 20. Jh., kamen hier zu polnischen Gottesdiensten Mitglieder des Bundes der Polen in Deutschland unter dem Rodlo-Zeichen zusammen. 

Auf der Strecke taucht prächtige Stiftskirche zum Hl. Kreuz auf, die Ende 14. Jh. entstanden ist. Die einmalige zweistöckige Bartholomäus- und Kreuzkirche wurde im 19. Jh. polnische Kirche genannt. Vor der Kirche steht die Statue des hl. Johann Nepomuks, 1732 durch Jan Jerzy Urbański geschaffen.

Die Katedralna Str. (eh. Dom-Str.) führt uns zum Dom zu St. Johann. Unterwegs gehen wir an Häusern im Stil der Renaissance vorbei. Unter Nr. 11. das alte Präpositur-Palais (heutzutage Sitz der Bischofs der Erzdiözese Wroclaw) sowie das alte Bischofspalais (heute Sitz der Päpstlichen Fakultät des Priesterseminars).

Eines Besuchs wert sind die wiederhergestellten Bischofsgärten an der Oder.
Durch das hervorragende Portal, entstanden aus architektonischen Details im Stil der Romanik und der Renaissance, treten wir in den Dom herein. Die Anfänge dieses Bauwerks reichen in die Mitte des 10. Jh. zurück. Die heutige prächtige Silhouette des Doms stammt aus dem 14. Jh. Frühling 1945 brachte den Niedergang des Doms mit sich, die Bemühungen der Architekten und Bauherren ließen jedoch seinen früheren Glanz wiederherstellen. Heutzutage sind im Dom die prächtige Kanzel und Reliefs von Jan Jerzy Urbański, der Schrankaltar aus der Schule Veit Stoß’, das wundervolle Bild der Mutter Gottes sowie hervorragende Fenstergläser nach dem Entwurf von Krystyna und Stanisław Pękalski zu bewundern.
Von der östlichen Seite lehnen sich barocke Kapellen an den Dom an – St. Elisabeth und Corpus Christi sowie die gotische Marienkapelle mit dem Sarkophag des Bischofs Przecław aus Pogorzela an. Vom Domturm aus kann man reizvolles Stadtpanorama bewundern.

Anschließend kann man die in Breslau älteste Ägidienkirche sowie das Erzdiözese-Museum mit seinen hervorragenden Sammlungen bewundern – die älteste Städtische Museneinrichtung mit einer ägyptischen Mumie, den etruskischen Amphoren und Sammlungen schlesischer Kunst.

Jetzt können wir uns im Grünen des blütenreichen Botanischen Gartens der Universität Wrocław ausruhen. Diese prächtige Naturenklave wurde 1811 gegründet. Hier lockt auch das Naturmuseum Naturfreunde mit einem Walskelett in seinen Sammlungen an.

Jetzt begeben wir uns Richtung Sand (Sandinsel). An Peter- und Paul-Kirche vorbei, erreichen wir die Dominsel. Vor uns erhebt sich der mächtige Baukörper der gotischen Marienkirche.

Der Weg führt jetzt dem Oderufer entlang: Peter-Wlast-Boulevard und Stanisław-Kulczyński-Boulevard. Wir besichtigen Oderinseln, auf denen vor 1000 Jahren die Stadt entstand. Wir passieren kleine Brücken und Stege, erreichen Młyńska Insel mit der mehr als 600 Jahre alten „Maria“-Mühle und die Słodowa Insel (Vorderbleiche). Über Młyńskie Brücken kehren wir auf die Sandinsel zurück und besichtigen die Marienkirche mit dem Votivbild der siegreichen Mutter Gottes. Dieses Bild legte einen langen Weg von Mariampol in Wolynien nach Breslau zurück. In der an die Kirche angelehnten Kapelle befinden sich die Behinderten-Seelsorge sowie die in der Stadt einzige ganzjährig geöffnete Weihnachtskrippe. 

Jetzt begeben wir uns Richtung Süden, an der Universitätsbibliothek „Am Sande” und der orthodoxen Kirche St. Cyrillus und St. Methodius sowie Annenkirche vorbei. Hinter der Sandbrücke nehmen wir, Richtung Westen, X. Dunikowski-Boulevard, an dem das Denkmal zu Ehren der im Osten Ermordeten steht. An den Gebäuden der Kunstakademie vorbei betreten wir die Aussichtsplattform der alten Bastion, heute Wzgórze Polskie (eh. Holteihöhe) genannt. Von hier aus bietet sich prächtiges Panorama der Dom- und der Sandinsel. Am Fuß der Höhe befindet sich die Gondelbucht – ein Überbleibsel des alten Stadtgrabens, gleich daneben das Nationalmuseum und die Rotunde mit dem Panorama von Racławice. Das Gemälde wurde 1946 hierher aus Lemberg gebracht und 1985 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Neben der Rotunde steht ein Denkmal, das an das Grundgesetz vom 3. Mai 1791 erinnert sowie und das Denkmal für Opfer des Massakers von Katyn. Während des Spaziergangs im Juliusz-Słowacki-Park stoßen wir an das Denkmal für den Dichter sowie zwei bemerkenswerte, landesweit einmalige Objekte: das Architekturmuseum und das Museum für Post- und Fernmeldewesen.
Wir verlassen die Słowacki-Allee (eh. Am Ohlau-Ufer) und gehen Richtung Westen. Vor uns erhebt sich der massive Baukörper der Adalbertskirche mit der barocken Kapelle für Gebenedeiten Ceslaus – Dominikaner, Begründer der schlesischen Dominikaner-Provinz, Verteidiger Breslaus während des Mongolensturms im Jahre 1241, Schutzheiligen der Stadt.

Die Strecke unseres Spaziergangs führt jetzt auf der Piaskowa Str. (eh. Sand-Str.), am Nowy Targ (eh. Neumarkt) bis zu Purkyniego Str. (eh. Breite-Str.) und weiter Kraińskiego Str. (eh. Münz-Str). An den Fragmenten der erhaltenen Stadtmauer und der einzigen Wehrbastei vorbei erreichen wir die Markthalle. Dieses Bauwerk aus dem Jahre 1907 zeichnet sich durch interessante, auf parabolischen Bögen gestützte Eisenbetonkonstruktion aus. Auf der Św. Ducha Str. (eh. Heilige-Geist-Str.) betreten wird den „Fürstenzipfel”, ein kleines Gebiet am linken Oderufer, Eigentum der Breslauer Fürsten, die hier im 13. Jh. zahlreiche Klöster und das neue Fürstenschloss stifteten.

Hier kann am heutigen Nankiera Platz (eh. Ritter-Pl.) die noch vor dem Mongoleneinfall errichtete St. Jakobus-Kirche (heute St. Vinzenz-Kirche) besichtigt werden. Es sollte Nekropole Breslauer Piasten werden, man hat hier jedoch nur die Gebeine Heinrichs des Frommen nach seiner Niederlage bei Liegnitz beigesetzt. Heute befindet sich hier der griechisch-katholischer Dom. Gleich daneben steht das alte Klarissen-Kloster (heutzutage Ursulinerinnen-Kloster), gestiftet durch Fürstin Anna, Witwe Heinrichs des Frommen, aus dem Mausoleum Breslauer Piasten und der prächtigen Sarkophagplatte des letzten Herrschers des Fürstentums Breslau aus der Piastendynastie, Heinrich VI.

Über schmale Ossoliński-Gasse, die zwischen der Klosteranlage der Ursulinerinnen und der Bibliothek des Ossolinski-Nationalbetriebs führt, kommen wir auf Grodzka Str. (eh. Burg-Str.) Die Ossolinski-Sammlungen kamen in Wrocław 1946 an; sie wurden im ehemaligen Kloster der Kreuzherren mit dem Roten Stern aufbewahrt. Seit 1811 war es Sitz des St. Matthias-Gymnasiums, in den u.a. Jan Dzierżoń und Józef Elsner unterrichteten.

Heute gehören die Sammlungen der Ossolineum-Bibliothek zu den größten in Polen und umfassen neben dem reichhaltigen Buchbestand an Altdrucksachen, Handschriften und polnischer Literatur auch Grafiken, Miniaturen, Exlibris, Karten sowie Münzen.

Durch eine kleine Grünanlage an der Pharmazie-Fakultät der Medizinischen Akademie vorbei, gehen wir Richtung altes Jesuiten-Kollegiums, heute Hauptgebäude der Universität Wrocław.
Unterwegs sehen wir barocke Kirche zum Heiligsten Herzen Jesu, die üppige Fresken F.A. Schefflers sowie eine Pieta, Kopie der Vatikaner Skulptur von Michelangelo Buonarroti birgt. Neben der Kirche das Torhaus des alten Kollegiums sowie der Eingang in die Verwaltungsräume der Universität sowie eine alte Apotheke, heute gemütliches Studentencafe mit prächtigen Fresken. Wir gehen am Kaisertor und an der Statue des Fechters vorbei, die 1904 nach dem Entwurf H. Lederers entstanden ist, vorbei, und betreten durch den Haupteingang, reichlich mir Balkonportal verziert, das Hauptgebäude der Universität Wrocław. Das Doppeltreppenhaus schmücken prächtige Fresken F.A. Schefflers aus dem Jahre 1734 – Apotheose des schlesischen Landes. Im 1. Stock befindet sich der repräsentativste Raum der Universität – die barocke Leopoldinum-Aula. Die mit ihrer Pracht begeisternden üppigen Skulpturen, Stuckarbeiten und illusionistische Malerei sind Werke F.J. Mangoldts (Skulpturen), J.Ch. Handkes (Fresken), I.A. Provisores  (Stuckarbeiten). Danach können wir den Mathematischen Turm erklimmen, von dem aus sich prächtiges Stadtpanorama bietet.

Vor dem Verlassen der Universität ist ein Besuch im sog. Rektoren-Korridor, wo Gedenktafel an die Namen Breslauer Nobelpreisträger, Professoren der Universität Lemberg, die 1941 ermordet wurden, ehemaliger Rektoren sowie Leiter der Lehrstuhls für slawische Sprachen Wojciech Cybulski und Władysław Nehring erinnern, ein Muss.

Im Erdgeschoss sollte Oratorium Marianum besichtigt werden – alter Kapellenraum, im 19. Jh. Musiksaal, in dem F. Liszt, H. Wieniawski und andere spielten.

Nicht wegzulassen ist der an der gegenüberliegenden Seite des Vestibüls befindliche Roman Longchamps de Berier-Saal, in dem eine Ausstellung zum Anlass des 300. Jahrestags (1702-2002) des Jesuitenkollegiums und der Universität besichtigt werden kann.

Nachdem wir das Universitätsgebäude verlassen, sehen wir vier Skulpturen, die vier Jahreszeiten verkörpern, dann gehen wir auf Więzienna Str. (eh. Stock-Gasse) am Stadtgefängnis aus dem 14. Jh. mit einem interessanten rechteckigen Innenhof (heute Institut für Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften) vorbei und erreichten Kotlarska Str. 

Wir passieren Odrzańska Str. (eh. Oder-Str.) und befinden uns an Malarska Str. (eh. Maler-Gasse), anschließend biegen wir links in Kiełbaśnicza Str. (eh. Herren-Str.) und dann in Jatki ein, wo sich ansehnlich ehemalige Fleischbänke aus dem 14. Jh. präsentieren. Hier wurden minderwertigere Fleischsorten angeboten, vor allem Ziegenfleisch und Geflügel. Am Eingang steht das Denkmal für Schlachttiere, das auf Anregung der Stadtverwaltung in den 90er Jahren des 20. Jh. entstanden ist. Es gibt hier eine Ziege, ein Ferkel, eine Ente, eine Gans sowie einen Hahn, der etwas höher steht und den ganzen Hof überwacht. Heute stehen an der Jatki-Strasse kleine Ateliers und Galerien lokaler Künstler sowie Läden mit Künstlerbedarf. Wir gehen weiter auf Odrzańska Str. (eh. Oder-Str.) Richtung Süden. Rechts die stattliche Basilika St. Elisabeth. Es war eine der Pfarrkirchen der mittelalterlichen Stadt. Nach den Brandfällen Mitte der 60er Jahren des 20. Jh. wieder aufgebaut, birgt sie hervorragenden gotischen Innenraum, mit Grabplatten und Epitaphen für Breslauer Patrizier. Auf den 91 m hohen Kirchenturm führen 365 Stufen. Von der Aussichtsterrasse aus kann man reizvolles Stadtpanorama bewundern. Vor der Kirche ein Denkmal für D. Bonhoeffer – evangelischen Theologen und Anti-Nazi-Kämpfer, der 1945 im Konzentrationslager ums Leben kam. Den alten Kirchenfriedhof wurde von der Seite der Odrzańska (eh. Oder-Str.) und der Św. Mikołaja Str. (eh. Nikolai-Str.) durch eine Gruppe gotischer Bürgerhäuser abgeschlossen, die Altaristen – dem weltlichen Verein der Altargehilfen in der Elisabethkirche gehörten. Bis zu unseren Zeiten sind lediglich zwei Häuser erhalten worden – das kleinere „Jaś“ (Hansel), auch Kupferstecher-Haus genannt, in dem sein Atelier der Künstler Eugeniusz Get-Stankiewicz hat, und das größere „Małgosia“ (Gretel), in dem sich der Sitz der Gesellschaft der Freunde Wrocławs befindet. Beide Häuser verbindet ein Arkadenbogen mit der Inschrift: Mors Ianua Vitae (Tod ist das Tor zum Leben).

Auf Św. Mikołaja Str. (eh. Nikolai-Str.) gehen wir Richtung Westen und kommen zum breiten, zweispurigen sog. Kleinen Ring – Nowy Świat Str (eh. Neue Welt-G.).
Hinter der Kreuzung biegen wir rechts ein und an Neubauten vorbei kommen wir vor das ehemalige Waffenlager. Die Anfänge dieser im Stil der Renaissance errichteten Anlage reichen ins Jahr 1459 zurück. Es ist das älteste Bauwerk dieser Art in diesem Teil Europas. Heute birgt es zwei Abteilungen des Stadtmuseums: das Militärmuseum und das Archäologische Museum. Es empfiehlt sich, hier anzuhalten und sich die Innenräume, die Sammlungen wie auch den prächtigen Innenhof anzuschauen. Wir gehen weiter westlich auf Św. Mikołaja Str. Rechts die Kirche zur Geburt der Allerheiligsten Gottesmutter, früher Kirche St. Barbara, heute Dom der orthodoxen Breslau-Stettiner Diözese.

Wir erreichen Jana-Pawła-II.-Platz (früher 1. Maja Platz, eh. Königsplatz) und durch eine Unterführung an der Stelle des früheren Nikolaitores kommen wir zum Brunnen Kampf und Sieg. Das Denkmal entstand nach dem Entwurf B. Schrings und E. Segers im Jahre 1905. An der Stelle beginnt auch die Altstadtpromenade, die dem Stadtgraben entlang verläuft. Wir gehen auf der Promenade unter alten Bäumen und biegen in die Św. Antoniego Str. (eh. Antonien-Str.) ein. Rechts steht innerhalb der Gebäudereihe die St. Antonius-Kirche, heute im Besitz des Paulanerordens, mit Thaddäus Juda-Altar von Jan Jerzy Urbański aus dem Jahre 1725.

Von der Św. Antoniego Str. gelangen wir durch ein Tor (rechts) auf den Hof, wo in den Jahren 1827-28 die Synagoge „Zum weißen Storch“ errichtet wurde.

Über Bohaterów Getta Platz (eh. Karls-Platz) kommen wir auf Krupnicza Str. (eh. Graupen-Str.) Links das neogotische Gebäude der Universitätsbibliothek – jetzt gehen wir auf Kazimierza Wielkiego Str. (eh. Karl-Str.), Richtung Osten. Rechts gehen wir an der ehemaligen Hofkirche vorbei, heute Kirche der Göttlichen Providenz, Sitz des Bistums Wroclaw der evangelisch-augsburgischen Kirche.

Dann durchqueren wir das alte Königsschloss, sog. Friedrichsschloss, in dem sich heute Ausstellungsräume des Stadtmuseums befinden. Wir biegen rechts ein und erreichen über die schmale Św. Doroty Str. (eh. Dorothea-G.) die nach Süden führt, die Kirche St. Stanislaus, St. Wenzels und St. Dorothea. Dieses prächtige gotische Bauwerk fasziniert mit seinen Ausmäßen und barocker Ausstattung aus den Anfängen des 18 Jh. Das müssen Sie gesehen haben.

Jetzt gehen wir an der Świdnicka Str. (eh. Schweidnitzer Str.) rechts an dem in den Jahren 1891-1892 erbauten Monopol-Gebäude, dem ältesten Warenhaus in Wrocław, vorbei. Vor uns die Niederschlesische Oper, derer Anfänge in die 1. Hälfte des 19. Jh. zurückreichen. Das Gebäude entstand nach dem Entwurf von Karl Ferdinand Langhans und wurde mehrmals umgebaut. Am 8. September 1945 fand hier die erste Opernaufführung nach dem Kriege statt – Halka von Stanisław Moniuszko.

Am Operngebäude vorbei kommen wir zurück auf die Altstadtpromenade. Im Hintergrund, im Grünen, steht das im September eröffnete Denkmal für die Opfer des Stalin-Terrors.
An der gegenüberliegenden Straßenseite sieht man die gotische Fassade der Kirche Corpus Christi. Es ist das einzige erhaltene Bauwerk der alten Klosteranlage der Johanniter, die hier einst ein Krankenhaus betrieben. Neben der Kirche steht ein kleines klassizistisches Wachthaus, das Anfang des 18. Jh. entstanden ist.

Auf der Świdnicka Str. kommen wir zu der Kreuzung mit Podwale Str. (eh. Schweidnitzer Stadtgraben). Vor uns das Warenhaus „Renoma“, entstanden Ende 20er Jahre des 20. Jh, mit der für damalige Verhältnisse ungeheuer großen Handelsfläche, sowie das Warenhaus „Podwale“, errichtet 1897.

Wir passieren die Kreuzung und richten uns nach Osten, am Wetterhäuschen, das den aktuellen Wetterstand anzeigt, vorbei, und über den Kopernikus-Park kommen wir zu dem bereits Ende des 19. Jh. erbauten Gebäude des Puppentheaters (alte Kaufmanns-Ressource).

Wir biegen links ein und über den Teatralny Platz (eh. Zwinger Pl.) kommen wir zurück zu Świdnicka Str. Über eine Unterführung unter Kazimierza Wlk. Str. gehen wir Richtung Ring. Gleich hinter der Unterführung steht die Männchen-Statue, die an die Bewegung der Orangenfarbenen Alternative erinnert. Über eine Fußgängerzone in der Świdnicka Str. kommen wir zum Ring.

Im Vordergrund erhebt sich die prächtige Ostfassade des Rathauses mit dem einmaligen, mit Rippen und Rundstäben versehenen  Giebel und Erkern im Stil der Renaissance von der südlichen Seite. Vor dem Rathaus steht ein Symbol der mittelalterlichen Rechtssprechung – eine Rekonstruktion des steinernen Prangers aus dem Jahre 1492. Diese Ringseite wird als Grünschilf bezeichnet – hier wurden auch Gerichtsurteile bekannt gegeben und ausgeführt.

Neben dem Warenhaus „Feniks” biegen wir in Kurzy Targ (eh. Hintermarkt) ein und kommen zur Szewska Str. (eh. Schuh-Brücke). Vor uns wunderbare, wenn auch im Kriege weitgehend zerstörte Maria-Magdalenen-Kirche, heute Dom der Polnisch-Katholischen Kirche, Standort hervorragender Konzerte des Oratorium-Kantaten-Festivals Wratislavia Cantans. Im Inneren kann man Reste der alten Ausstattung sehen. Entlang den Mauern wandernd kann man äußerst interessante Epitaphen und Gedenkstatuen bewundern. Von der Seite des Maria Magdalena-Hotels befindet sich das 1526 eingemauerte romanische Portal. Weiter auf Łaciarska Str. (eh. Altbüsser-Str.) kommen wir zu Wita Stwosza Str (eh. Albrecht-Str.). Nach ca. 200 m sind wir wieder am Ring. Gleich an der linken Seite steht einladend das Haus „Zum goldenen Hund“, in dem sich u.a. das Konsulat der Tschechischen Republik befindet.

Zurück zum Pranger, betreten wir die südliche Ringseite. Hier bewundern wir die prächtige, reich verzierte Rathausfassade. Es empfiehl sich ein Besuch in einem der ältesten Bierkellern Europas – Piwnica Świdnicka (Schweidnitzer Keller). Anhalten sollte man auch vor dem Denkmal für Aleksander Fredro. Dieses Denkmal kam nach Wrocław aus Lemberg und wurde 1956 vor das Rathaus hingestellt. Das Innere des Rathauses ist ebenso sehenswert; hier werden nämlich Sammlungen des Stadtmuseums zur Schau gestellt, hier werden auch interessante periodische Ausstellungen von Werken europäischer Kunst veranstaltet. Diese Ringseite ist die Seite der „Goldenen Pokale“, genannt nach den zahlreichen vorzüglichen Weinkellern und Restaurants. Einst gab es hier auch einen Fischmarkt.

Wir verlassen jetzt den Ring und betreten Solny Platz, früher Salzring genannt. Hier verkaufte man nämlich Salz, Pelze und Honig aus Kleinpolen. Den Platz umgeben prächtige Häuser im Jugendstil mit dem 1822 entstandenen Gebäude der alten Börse. Auf dem Platz befinden sich ein Blumenmarkt sowie der 1997 geschaffene Tritonbrunnen aus Schmiedeeisen. Die Mitte des Platzes schmückt die durch A. Wyspiański im Jahre 1997 geschaffene Nadel.

Unsere Strecke führt uns jetzt zum Tor der Sieben Räder. Dahinter kommen wir auf Psie Budy Str. (eh. Krull-Str.). Die schmale, vollständig rekonstruierte Gasse gibt ausgezeichnet das Ambiente mittelalterlicher Stadt wieder. Ein Spaziergang lässt uns hier den Lärm der Großstadt für kurze eine Weile vergessen.

Wir kommen auf Ruska Str. (eh. Reusche-Str.) Einst befanden sich hier zahlreiche Gasthäuser, in denen sich Kaufleute aus dem Osten aufhielten, später standen hier bekannte Warenhäuser und Textilienbetriebe. Heute gibt es hier Banken und elegante, teure Läden. Über offene Galerien kommen wir zurück zum Solny Platz. In diesem Teil des Platzes locken uns zahlreiche Pubs und Restaurants an. An der Rzeźnicza Str. (eh. Büttner-Str.) 200 m weiter erreichen wir Św. Mikołaja Str. Wir biegen rechts ein und befinden sich gleich wieder am Ring.

Vor uns erstreckt sich die Ringnordseite, Gemüse- bzw. Naschmarkt genannt. Erhalten geblieben sind hier zahlreiche Bürgerhäuser sowie die Anfang des 19. Jh. entstandenen Warenhäuser. Heute dominieren in der Sommerlandschaft zahlreiche Biergärten. Wir befinden sich an der repräsentativsten Ringseite – Seite der Waage. Vom Osten wird der Platz der Waage durch das Neue Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters abgeschlossen. An heißen Sommertagen spendet das im Jahre 2000 erbaute Wasserspiel etwas Kühle. An der am besten erhaltenen Westseite befinden sich gute Restaurants und Einkaufspassagen.

Hier endet unsere Besichtigung des ältesten Teils der Stadt.

Autor: Bronisław Zathey

Deutsche Übersetzung: Agata Janiszewska

 
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